Vermögensverteilung Vermögensungleichheit

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  • Beitrag zuletzt geändert am:7. Juli 2020
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Vermögensverteilung

Über die Verteilung des Vermögens müssten wir uns keine Gedanken machen, würden nicht immer mehr Menschen unter der ungerechten Verteilung von Vermögen leiden. Während in unserer Gesellschaft Menschen am Rande der Gesellschaft leben müssen, sterben in anderen Teilen der Welt Menschen aufgrund der Vermögensverteilung auf dieser Welt, da ihnen nicht genug zum Leben gelassen wird. Die Verteilung von Vermögen ist auch eine Geschichte der Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur. Das offen und ehrlich anzusprechen, hat auch nichts mit einer Neiddebatte zu tun!

Vermögensverteilung

umdenken.jetzt beschäftigt sich in diesem Artikel mit der Vermögensverteilung und den Folgen auf ökonomischer, sozialer und politischer Ebene. Zudem werden Ursachen beleuchtet und ein Blick in die Zukunft gerichtet.

Deutschland

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Im Jahr 2019 gab es laut Forbes-Liste 114 Milliardäre in Deutschland, mit einem Gesamtvermögen von 500,9 MRD US-$. Die 10 reichsten Deutschen 2020, verfügten 2019 über ein Gesamtvermögen von 177,6 MRD US-$.

Laut DIW verfügte im Jahr 2019 die ärmere Hälfte der Bevölkerung über einen Anteil von nur 1,3 % am Gesamtvermögen. Die reichsten 10 % besitzen 56 % des Gesamtvermögens. Die reichsten 20 % verfügen über 75,6 % vom Gesamtvermögen.

41 Millionen Bürger verfügen über kaum Vermögen. Die unteren 20 % haben gar kein Vermögen und sind zur Hälfte verschuldet. Der Hauptanteil des Vermögens verteilt sich aber auch nicht fair auf die andere Hälfte der Bevölkerung. Die reichsten 10 % besitzen immerhin über die Hälfte des Gesamtvermögens und die reichsten 20 % besitzen ein dreiviertel des Gesamtvermögens.

Österreich

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In Österreich leben 9 Milliardäre die laut Forbes-Liste im Jahr 2019 über insgesamt 44,75 MRD US-$ Gesamtvermögen verfügten.

In Österreich besitzt das reichste Prozent rund ein Viertel des Gesamtvermögens. Wie auch in Deutschland verfügen in Österreich die reichsten 10 % über einen Anteil von 56 % am Gesamtvermögen.

Die reichsten 20 % besitzen 72,8 % des Gesamtvermögens. Auch das ist vergleichbar mit den deutschen Zahlen. Die ärmere Hälfte kommt auf einen Anteil von 3,6 %. Deutschland und Österreich zählen in der Eurozone zu den Ländern mit der größten Vermögensungleichheit.

Weltweit

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Insgesamt verfügen die reichsten 10 Menschen, über ein Vermögen von insgesamt 686,4 MRD US-$ im Jahre 2020 (Quelle: Forbes Milliardäre). Einer kommt aus Spanien, ein Weiterer aus Frankreich und die anderen acht aus den Vereinigten Staaten. Jeff Bezos (Amazon) führt seit 3 Jahren die Liste an und verfügt derzeit über ein Vermögen von 113 Milliarden US-$ und das, obwohl er ein Jahr zuvor seiner Ex-Frau Amazon Aktien im Wert von 36 Milliarden US-$ abgetreten hat. Weltweit hat Forbes im März 2020 insgesamt 2.095 Milliardäre gezählt mit einem Gesamtvermögen in Höhe von 8 Billionen US-$.

Zu den TOP 5 Ländern mit den meisten Milliardären zählen China (819), USA (571), Indien (131), Vereinigtes Königreich (118) und Deutschland (114). Daneben gibt es weltweit schätzungsweise 17 Mio. Millionäre.

Deutschland und Österreich hat ein gutes Sozialsystem, das Menschen in Not auffängt. Das gibt es in den meisten Ländern nicht. Laut Weltbank kann knapp die Hälfte (3,4 Milliarden) der Weltbevölkerung ihre Grundbedürfnisse nicht decken. 800 Mio. Menschen davon, leben in extremer Armut und da wird jeder Tag zum Überlebenskampf. Jeden Tag sterben laut UN weltweit 15.000 Kinder unter 5 Jahren an den Folgen der Armut. Natürlich ist es leicht die Augen davor zu verschließen. Wir leben in schwierigen Zeiten und niemand kann voraus sagen, wie es mit den Sozialsystemen im eigenen Land weiter gehen wird. Es ist intelligent, darüber nachzudenken, wie wir das vermeiden können.

Vermögensungleichheit ist ein großes Problem!

Wenn Vermögen ungleich verteilt ist, dann ist dies nicht nur ein Problem derer, die wenig oder nichts haben. Ungleiche Verteilung von Vermögen wirkt sich auf die gesamte Gesellschaft aus. In Deutschland und Österreich ist die Schere zwischen Arm und Reich weit geöffnet und öffnet sich ungehindert weiter. Dies anzusprechen hat nichts mit einer Neiddebatte zu tun oder ob diese Entwicklung moralisch verwerflich ist. Gesellschaftlich gesehen ist das eine Katastrophe und hat negative Folgen auf ökonomischer, sozialer und politischer Ebene! Zum besseren Verständnis schauen wir uns dies nun einmal genauer an.

Folgen ungleicher Vermögensverteilung aus ökonomischer Sicht:

Das Einkommen armer Haushalte fließt direkt in den Konsum und hält so die Wirtschaft eines Landes am Leben. Davon profitieren der Staat und die Unternehmen, die ihre Waren absetzen möchten. Arme Haushalte würden einen höheren Beitrag dazu leisten, wenn sie das könnten, ohne ständig Verzicht üben zu müssen. Das bremst die Wirtschaft. Der Staat hat letztendlich weniger Geld in seinem Haushalt, um öffentliche Aufgaben zur Zufriedenheit der Bürger durchführen zu können.

Finanzblase

Finanzblase

Vermögende Menschen haben aufgrund ihres hohen Einkommens und Vermögens, eine hohe Neigung zum Sparen. Große Teile der Ersparnisse werden auf den internationalen Finanzmärkten angelegt. Diese enormen Summen sollen möglichst profitabel angelegt werden, um das Vermögen ständig zu vermehren. Das leistet Spekulationen Vorschub und führt immer wieder zu Wirtschaftskrisen, wie zuletzt im Jahre 2008. Die Folgen der Wirtschaftskrisen werden dann der Allgemeinheit zur Last gelegt, nach dem Motto: „Gewinne werden privatisiert und Verluste verstaatlicht!“

Folgen ungleicher Vermögensverteilung aus sozialer Sicht:

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen, negativ auf die Gesundheit, Bildung und Sicherheit einer Gesellschaft auswirken. Menschen mit wenig Einkommen und Vermögen haben eine deutlich geringere Lebenserwartung.

Soziale Folgen ungleicher Vermögensverteilung

Der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck vom Institut für medizinische Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf macht darauf aufmerksam, dass es einen linearen Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung gibt. Zwischen Männern, die höheren Einkommensschichten angehören, und solchen, die in relativer Armut leben, beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung bei Männer rund 10,8 Jahre, bei Frauen 8,4 Jahre.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen vor allem in den materiellen Lebensbedingungen, dem unterschiedlichen Gesundheitsverhalten und in psychosozialen Belastungsfaktoren, laut Knesebeck. Armutsgefährdete Männer haben eine Lebenserwartung von gerade einmal 70,1 Jahren. Da ergibt die Forderung von Wolfgang Schäuble und anderen, das Renteneinstiegsalter auf 70 Jahre zu erhöhen direkt einen Sinn. Reiche Männer können auf eine Lebenserwartung von 81 Jahren hoffen. Die reichen Männer würden somit subventioniert werden, durch die armutsgefährdeten Männer, die ja auch in die Rente/Pension eingezahlt haben.

Jedes fünfte Kind wächst bei armen Eltern auf, hat meist geringere Bildungs- und Aufstiegschancen. Elternarmut steht auch immer für Kinderarmut. Die Hauptursachen für Kinderarmut sind Eltern mit niedrigem Einkommen (prekäre Beschäftigungsverhältnisse) und Alleinerziehende. Eine Gruppe, die stets größer wird. Bildungschancen werden Kindern schon in die Wiege gelegt. Wer finanziell gut im Leben steht, kann seine Kinder ganz anders fördern.

Je größer die Schere zwischen Arm und Reich einer Gesellschaft auseinanderklafft, desto höher die Gewalt- und Kriminalitätsrate.

Folgen ungleicher Vermögensverteilung aus politischer Sicht:

Lobbyismus

Lobbyismus

Vermögenden Menschen ist es eher möglich, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Das geschieht durch direkten Druck auf Entscheidungsträger, durch Lobbyismus oder der Parteienförderung. Ein solches Verhalten dient nur wenigen und schon gar nicht der Allgemeinheit! Solche Prozesse hindern aber auch die Politik daran, ordentliche Arbeit für die gesamte Bevölkerung eines Landes abzuliefern. Dadurch verkommt der demokratische Prozess, eine Politikverdrossenheit macht sich in weiten Teilen der Bevölkerung breit. Die Politik selbst beschneidet ihre Gestaltungsmöglichkeiten und kann nicht mehr angemessen reagieren.

Vermögen aufbauen

Über Vermögen entscheidet oft die Wiege, in die man hinein geboren wird. Vermögen durch Arbeit aufzubauen wird immer schwieriger. Das betrifft nicht nur Menschen im Niedriglohn, die sich nicht einmal eine vernünftige Altersvorsorge leisten können. Vermögen lässt sich nur aufbauen, wenn am Ende des Monates etwas vom Einkommen übrig bleibt. In Großstädten mit hohen Lebenshaltungskosten auch für gut verdienende Menschen eine Herausforderung. Die Vermögensverteilung schreitet unaufhaltsam voran, von arm zu reich und konzentriert sich in den Händen weniger.

In Deutschland und in Österreich wird der Staatshaushalt überwiegend aus dem Einkommen der Menschen finanziert. Das führt dazu, dass Einkommen stark belastet sind. Von einem Euro verblieben 2019 den Bürgern in Deutschland rund 47 Cent und in Österreich nur 42 Cent, nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Geschuldet ist das einem ruinösen Wettkampf um Firmen und Spitzenverdiener. So wurde in Deutschland der Spitzensteuersatz von 53 % auf 42 % abgesenkt. Das kommt nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugute. Die Mehrwertsteuer in Deutschland wurde um satte 3 %, auf 19 % angehoben. Das haben alle zu bezahlen, auch die Ärmsten, die wenig haben. In Österreich liegt die Mehrwertsteuer bei 20 Prozent. Österreich hat die Körperschaftssteuer im Jahr 2005 von 34 % auf 25 % gesenkt. Nun wird diese weiter auf 21 % gesenkt. Ganz nach dem Motto: „Niedrigere Gewinnsteuern machen den Standort attraktiver“. Ist das wirklich so? In Deutschland beträgt die Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer fast 30 %, was der Attraktivität wohl keinen Schaden zufügt.

Der Trend ist recht klar. Während Unternehmen entlastet werden, oder gar durch Steuervermeidungsmodelle sich ganz ihrer Pflicht entziehen, muss der Arbeitnehmer den Staatshaushalt finanzieren. Für eine gerechte Vermögensverteilung ist ein solches System absolut schädlich und begünstigt nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.

Kein sozialer Ausgleich

Armut und Reichtum

Vermögen wird in beiden Ländern nicht besteuert. In Deutschland seit 1997 und in Österreich seit 1993. In Österreich gibt es seit 2008 keine Erbschafts- und Schenkungssteuer mehr. In Deutschland gibt es diese zwar weiter, berücksichtigt aber sehr großzügige Regelungen für Betriebsvermögen. Im Jahre 2014 verhandelte das Bundesverfassungsgericht über das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz.

Mit Urteil vom 17.12.2014 verkündete der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts die §§ 13a und 13b und § 19 Abs. 1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) für verfassungswidrig. Das Urteil wurde einstimmig beschlossen. Richter Gaier und Masing sowie die Richterin Baer ergänzten das Urteil durch ihr Recht des Sondervotums. Das kommt dann zur Anwendung, wenn Richterinnen oder Richter, die überstimmt wurden, eine abweichende Meinung zu Papier bringen. In diesem Fall war es aber anders. Das Urteil war einstimmig gefällt, der Richterin und den Richtern war es aber sehr wichtig, ein zusätzliches Argument zur Urteilsbegründung zu liefern. Gemäß dem Sozialstaatsprinzip, das in Artikel 20 Absatz 1 Grundgesetz geregelt ist, die Erbschaftsteuer nicht nur den Steuereinnahmen diene. Es sei zugleich ein Instrument des Sozialstaates, zu verhindern, dass Reichtum in der Folge der Generationen in den Händen weniger kumuliert werde. 2016 wurde ein neues Gesetz beschlossen, das in wenigen Jahren wohl wieder sein Ende vor dem Bundesverfassungsgericht finden wird. An die Superreichen traut sich die Politik nicht mehr ran.

Wir müssen umdenken

Wir müssen umdenken

Wir leben in einer Welt, in der es beruhigend ist, wenn man etwas Vermögen auf der Seite hat. Das treibt uns an Vermögen zu schaffen, mit dem dann andere arbeiten und spekulieren, in der Hoffnung das eigene Geld zu vermehren. Dabei werden immer mehr die Ellenbogen ausgefahren und die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. Habgier nach immer mehr, ist wohl eines der treffenden Schlagworte unserer Zeit und spaltet selbst Familien. Dabei stellt Vermögen keine Sicherheit für die Zukunft dar. Wir leben in sehr unruhigen Zeiten und niemand kann mit Bestimmtheit sagen, wie sich Vermögen in der Zukunft entwickelt oder nicht die nächste Finanzblase alle Träume auf einen Schlag, zunichte macht.

Wäre es nicht sehr beruhigend, wenn wir kein Vermögen brauchen, weil die Dinge des persönlichen Bedarfs immer gedeckt wären, ohne das Risiko, das dies anders sein könnte. Das können wir erreichen, wenn wir uns in der Zukunft ganz neu organisieren und die Vermögensverteilung der Schrecken der Vergangenheit ist.

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