Rentenvergleich

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  • Beitrag zuletzt geändert am:27. Oktober 2020
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Rentenvergleich

Rentenvergleich

In Zusammenarbeit des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin und der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien entstand eine Studie, die die Rentensysteme in Deutschland und Österreich verglichen hat. Die Veröffentlichung der Studie erfolgte im Jahr 2016 durch die Hans-Böckler-Stiftung.

Gut vergleichbar

Rentenvergleich zwischen Deutschland und Österreich

Rentenvergleich

Der Vergleich zwischen Deutschland und Österreich fand statt, weil beide Länder ähnliche soziale, wirtschaftliche und politische Strukturen haben. Bei den Reformen ihrer Renten-Pensionssysteme sind die beiden Länder allerdings sehr unterschiedliche Wege gegangen. Zentraler Ausgangspunkt für die Reformen waren in beiden Ländern der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung. In der Studie wurden die Alterssicherungssysteme, die Reformwege und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für gegenwärtige und zukünftige Sicherungsniveaus untersucht. Verglichen wurde auch die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Länder.

Reformwege

Beide Länder sind recht unterschiedliche Reformwege gegangen. Bei den Reformen in Österreich setzte das Land auf Aufrechterhaltung und Stabilisierung eines starken öffentlichen Systems. Das Beamtenversorgungssystem wurde in den Reformprozess mit einbezogen. In Deutschland ging der Gesetzgeber den entgegengesetzten Weg und schwächte das öffentliche System. Das Niveau der gesetzlichen Alterssicherung wurde erheblich reduziert und die daraus entstehende Versorgungslücke überließ der Gesetzgeber den Betriebsrenten und der privaten Riester-Vorsorge. In Österreich werden die Renten Pensionen genannt. Zur einfacheren Darstellung wird die Altersversorgung beider Länder im weiteren Verlauf nur als Rente benannt.

770 Euro mehr in der Tasche

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass ein langjährig Versicherter in Deutschland im Schnitt 1.050 Euro (12 x pro Jahr) Altersrente erhält und der Österreicher 1.560 Euro (14 x pro Jahr). Macht eine Differenz von insgesamt 770 Euro aus, was der Österreicher im Monat mehr in der Tasche hat. Verglichen wurden nur Männer, weil hier die Karriereverläufe ähnlich liegen. Auch Geringverdiener sind in Österreich besser abgesichert und erhalten ein merklich höheres Mindesteinkommen.

Mehr Rente in der Tasche

Rentenvergleich Anpassungsformel

In Österreich ist ein jährlicher Inflations-Ausgleich der Renten vorgesehen. In Deutschland wird mittels einer Anpassungsformel die Rentenentwicklung an das Wachstum der Löhne gekoppelt, allerdings gedämpft durch den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor. Der Nachhaltigkeitsfaktor ist Teil der Rentenanpassungsformel und beeinflusst die jährliche Rentenanpassung entsprechend der Veränderung des Verhältnisses der Beitragszahler zu den Rentenbeziehern. Dabei werden sowohl demografische als auch konjunkturelle Änderungen berücksichtigt. Diese unterschiedlichen Anpassungsmechanismen der Rente führten dazu, dass in Deutschland in den letzten zehn Jahren die Rentenerhöhung 8 Prozent hinter der Inflationsrate zurückblieb. Für die Rentner in Deutschland ein sehr ungünstiger Verlauf der Rentenanpassung.

Rentenvergleich Arbeitgeber

Die deutlich höheren Leistungen der Rente in Österreich sind mit einem deutlich höheren Beitragssatz verbunden. Dieser beträgt seit 1988 unverändert 22,8 Prozent, in Deutschland sind es 18,7 Prozent im Jahr 2016. In Deutschland zahlen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Hälfte des Beitrages, während in Österreich der Arbeitgeber 12,55 Prozent und der Arbeitnehmer 10,25 Prozent des Rentenbeitrages bezahlt. Rechnet man in Deutschland 4 Prozent Beitragssatz der Riester-Vorsorge dazu, dann sind die Beitragssätze in beiden Ländern fast gleich hoch. Der Unterschied dabei ist nur, dass in Deutschland die Arbeitgeber einen deutlich geringeren Anteil am Beitragssatz haben.

Wirtschaft

Wirtschaft

Rentenvergleich

Während in Deutschland immer wieder behauptet wird, dass die Lohnnebenkosten gesenkt werden müssen, damit dem Wachstum und der Wirtschaft nicht geschadet werden, ist Österreich einen ganz anderen Weg gegangen. Geschadet hat es der österreichischen Wirtschaft nicht, dass sie einen höheren Anteil an der Altersvorsorge der Bürger übernommen hat. Ganz im Gegenteil. Trotz gestiegener Arbeitskosten seit der Jahrtausendwende hat sich die Wirtschaft in Österreich kräftiger entwickelt als die deutsche. 

In der Zeit von 2000 bis 2014 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich um 23 Prozent gestiegen, in Deutschland hingegen nur um 17 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich stieg um 15 Prozent, in Deutschland um 7 Prozent. Gleichzeitig legten die nominalen Arbeitsentgelte in Österreich kräftiger zu.

Export ist nicht alles

Die Forscher der Studie stellen fest, dass Österreich einen balancierteren Wachstumskurs mit einem stärkeren Wachstum der Binnennachfrage und einem guten, aber geringeren Exportwachstum als Deutschland verfolgt. Ein stärkeres öffentliches Sicherungssystem ist möglich und setzt die Wirtschaft nicht unter übermäßigen Druck, so die Forscher der Studie.

Rentenvergleich Risiko

Achtung Vorsicht

Rentenvergleich

Es mag nicht verwunderlich klingen, wenn ich schreibe, dass in einigen deutschen Medien schon die Gefahr des österreichischen Rentensystems beschrieben wird. So wird dort erwähnt, dass ein System wie es Deutschland hat, also gesetzliche Rente kombiniert mit Betriebsrente und privater Vorsorge, viel mehr Sicherheit biete. Österreich, das hauptsächlich auf die gesetzliche Rente setzt, nicht so breit abgesichert ist und daher das größere Risiko trage, wenn die eine Säule der Alterssicherung ins Wanken kommt.

Das freut nur die Versicherungen

Diese Ansicht kann ich nicht teilen und sehe auch nicht die Sicherheit des deutschen Weges bei der Rente. Die private Vorsorge ist ein kranker Riese, der Unsummen vom Geld der Rentner in seiner Kostenstruktur verschlingt.

Verlust

Der Garantiezins ist in der Riester-Rente von 4 Prozent im Jahr 2000 auf 1,25 Prozent heute gefallen. Niemand kann die Entwicklung der Versicherungen voraussagen und so weiß auch niemand, wie viel er am Ende wirklich herausbekommt. Prognosen sagen voraus, dass es zumindest weniger sein wird als das Geld, das der Kunde einbezahlt. Größter Kritikpunkt dürfte zudem sein, dass die Menschen, die wirklich mehr Rente bräuchten, sich die private Vorsorge gar nicht leisten können und für diese schon einmal diese Säule der Altersvorsorge wegfällt. 

Die zweite Säule Betriebsrente ist so unpopulär geworden, dass diese kein Arbeitgeber gerne anbieten möchte, solange er für die Renten garantieren muss. Daran ist so manche Firma kaputt gegangen. Ohne Garantie für die Betriebsrente macht es für die zukünftigen Rentner aber keinen Sinn, eine Betriebsrente zu haben. Die dritte Säule, die gesetzliche Rentenversicherung, ist so geschwächt worden, dass immer weniger Rentner davon leben können, in die Grundsicherung fallen werden und diese ist unverschämt gering. Dann lieber eine starke gesetzliche Rente, von der die Rentner leben können, so wie im Umlageverfahren in Österreich! 

Anmerkung

Frauen werden benachteiligt

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass trotz der guten Altersvorsorge in Österreich, es auch Verlierer gibt. Altersarmut in Österreich ist eher weiblich. Einen gesetzlichen Versorgungsausgleich, wie in Deutschland bei einer Scheidung gibt es nicht. Pensionslücken, durch Haushalt, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen findet so keine Anerkennung. Wird auch in Österreich hauptsächlich von Frauen geleistet, die dann höchstens in Teilzeit arbeiten oder geringfügig dazu verdienen. Kommt es zur Scheidung, rächt sich das im Alter.

Zukunft fair gestalten

Die Befreiung vom Geld,
gibt uns die Freiheit zurück!

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