Rente Pension

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  • Beitrag zuletzt geändert am:27. Oktober 2020
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Rentensituation

Rente / Pension

Es entspricht der Realität, dass sich die Situation der Rentner in Deutschland negativ verändert hat, in Bezug auf die gesetzliche Rente. In Österreich ist die finanzielle Situation für Rentner um einiges besser und noch eine Anerkennung für die Lebensleistung der Menschen. Es gibt aber auch in Österreich Stimmen, die das gerne verändern würden, damit Einzelne am Kuchen der Rentner mitnaschen können.

Die Rente ist sicher

Dr. Norbert Blüm, der damalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, sagte im Wahlkampf 1986: „Die Rente ist sicher„, und wiederholte dies im Jahre 1997 während einer hitzigen Diskussion im Deutschen Bundestag. An diesem Tag wurde die umstrittene Rentenreform verabschiedet. Die Politik sah sich zum Handeln gezwungen und senkte das Niveau von 70 auf 64 Prozent. Mit dieser Maßnahme wollte der Gesetzgeber der gestiegenen Lebenserwartung und der geringen Geburtenrate entgegentreten. Die Panikmache rund um das Thema demografischer Wandel hatte gefruchtet. Es blieb nicht bei dem abgesenkten Rentenniveau auf 64 Prozent und so fiel das Rentenniveau bis heute auf etwa 47 Prozent. Das Renteneintrittsalter wurde auf 67 Jahre erhöht und schon gibt es neue Diskussionen, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben. Arme Männer haben im Schnitt eine Lebenserwartung von 70,1 Jahre.

Umlageverfahren

Rentnerin

Die gesetzliche Rente wurde im Wesentlichen durch ein Umlageverfahren finanziert. Wer heute arbeitet und Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt, finanziert die Altersversorgung der heutigen aus dem Arbeitsleben Ausgeschiedenen und erwirbt selbst einen Anspruch auf eine eigene zukünftige Altersversorgung. Dies hat den Rentner von früher einen gewissen Wohlstand gebracht. Wer fleißig gearbeitet hatte, konnte im Alter die Früchte seiner Arbeit genießen. Die erfolgreiche Debatte um den demografischen Wandel hat diesen Wohlstand vernichtet. Da müssen wir schon ehrlich sein. Wird das Rentenniveau gesenkt, hat der Bürger im Rentenalter letztendlich weniger in der Tasche.

In internationalen Vergleichen der Industrieländer-Organisation OECD schneidet Deutschland beim gesetzlichen Rentenniveau sehr schlecht ab und nimmt einen Platz am unteren Rand ein, während das kleine Nachbarland Österreich relativ weit oben rangiert.

Versorgungslücke

Auch wenn Niedriglohnempfänger davon nur träumen können, nehmen wir das Beispiel eines Arbeiters, der 45 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hat, mit einem aktuellen Monatseinkommen von durchschnittlich 3.000 Euro. Dieser Arbeiter bekommt rund 1.400 Rente, abzüglich Kranken- und Pflegeversicherung und Steuern. Dann bleiben ihm rund 1.200 Euro als Altersversorgung. Real haben deutsche Rentner im Jahr 2018 im Schnitt 906 Euro bekommen, dazu aber gleich mehr.

Geldbeutel Versorgungslücke

Mit dem Rentenniveau vor 1997 wäre er auf eine Bruttorente von rund 2.100 Euro gekommen. Selbst wenn wir Steuern und Versicherungen abziehen, hätte er so einiges mehr in der Tasche, als es heute der Fall ist. Gemessen am früheren Gehalt entsteht natürlich eine Versorgungslücke, wenn der Arbeiter seinen Lebensstandard nicht herunterschrauben möchte.

Diese Versorgungslücke möchten heute die Versicherungen schließen und viel Geld damit verdienen. Wie viel von den Beiträgen wirklich eines Tages ausbezahlt werden, ist sehr fraglich, weil niemand so weit in die Zukunft schauen kann. Bei allen Versprechen kommt es meist doch anders als gedacht. Selbst vor dem Staat ist der Versicherungsnehmer nicht sicher, wenn dieser gerade mal wieder ein Finanzloch schließen muss.

Rente - Mindestlohn

Schauen wir uns ein anderes Beispiel an und nehmen einen Mindestlohn-Arbeiter. Die Politik hat gejubelt bei der Einführung des Mindestlohnes, nur können auch die Mindestlohnempfänger jubeln? Ein Mindestlohnempfänger in einem Vollzeitjob kommt auf rund 1.500 Euro brutto. Dies ist schon während des Arbeitslebens ein schweres Unterfangen, um über die Runden zu kommen. Im Rentenalter wird dies allerdings zum Desaster!

Armut Altersarmut Kinderarmut

Zu erwarten ist nach 45 Arbeitsjahren eine Bruttorente von rund 700 Euro, also unterhalb der Grundsicherung, die jeder bekommt. Egal, ob er gearbeitet hat oder nicht. Dies sind keine rosigen Aussichten. Bei dem Gehalt, das er während des Erwerbslebens bekommt, kann er kaum privat vorsorgen und selbst wenn er etwas vorsorgt, wird dies später mit der Grundsicherung verrechnet.

Kritiker solcher Rechnungen sagen gerne, dass der Mindestlohn angepasst und erhöht wird. Das stimmt in der Tat. Seit seiner Einführung am 01.01.2015 wurde der Mindestlohn im Schnitt um 0,14 EUR pro Jahr erhöht. Rechnen wir die Inflation und andere versteckte Kostensteigerungen ein, so ändern Erhöhungen nichts an dem, was zu erwarten ist. Wiederum sagen andere Stimmen, dass sich Mindestlohnempfänger weiterbilden können und so im Laufe ihres Erwerbslebens mehr verdienen können. Da klaffen Wunsch und Realität wohl eher auseinander. Mindestlohnempfänger sind ihren Branchen recht treu und dies mag daran liegen, dass die Chancen auf Weiterbildung eher ein schweres Unterfangen sind. Es kommt nicht von ungefähr, wenn man sagt: „Einmal arm, immer arm!“

Grundsicherung

Wer aber glaubt, dass die Grundsicherung nur die Menschen treffen wird, die für Mindestlohn arbeiten, täuscht sich. In der heutigen Zeit ist es eher untypisch, dass jemand in einer Firma lernt und dann bis zur Rente dort arbeitet. Der Arbeitsplatzwechsel in heutigen Zeiten ist eher ein normales Unterfangen im Laufe des Arbeitslebens. Kommt es dabei zu Erwerbsunterbrechungen, was nicht immer vermeidbar ist, macht sich dies im Rentenalter bemerkbar. Arbeitslosigkeit, Teilzeit, Auszeit, Selbstständigkeit oder eine Weile im Niedriglohnsektor machen sich bei der Altersversorgung sofort bemerkbar. So wird unsere Rente nicht nach dem letzten Einkommen berechnet, sondern nach dem durchschnittlichen Einkommen im Erwerbsleben. Wie der WDR berichtet, droht ab 2030 fast jedem zweiten Neurentner eine Rente maximal auf Grundsicherungsniveau.

Altersarmut

Auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung steht geschrieben: „Als Faustregel gilt: Wenn Ihr gesamtes Einkommen unter 865 Euro (Stand: Juni 2020) liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben.“ Im Umkehrschluss dürfte es dann wohl heißen, wer 866 Euro hat, ist nicht mehr arm. Eine Anschauung aus diesem Blickwinkel lässt ja gute Zeiten auf die Rentner zukommen. Statistisch gesehen lässt sich zumindest mit solchen Zahlen gut arbeiten und das Problem mit der Altersarmut ist nahezu gelöst.

Altersarmut

Altersarmut ist kein Problem der Zukunft, die gibt es heute schon. Seit 2003 hat sich die Zahl derer, die Grundsicherung erhalten von 258.000 auf 1,09 Millionen erhöht. Von 2010 bis zum Jahr 2017 hat sich die Zahl, der armutsgefährdeten Rentnern von 14 auf 18,7 Prozent erhöht. Da sprechen wir von 3,2 Millionen Menschen. Hinter den Zahlen stecken ja auch tatsächlich Menschen, denen die Lebensqualität genommen wurde. Das ist auch erst der Anfang und es ist zu erwarten, dass sich das drastisch erhöht. So berichten auch die Tafeln, dass der Zuwachs an Rentner immens ist, die sich über die Tafeln mit Lebensmittel versorgen.

Die staatliche Altersversorgung aus dem Umlagesystem wurde demontiert mit dem Argument „demografischer Wandel“. Dazu befindet sich am Ende des Artikels ein Link zu einem eigenen Artikel. Was die Versicherungswirtschaft gefreut hat, stürzt viele fleißige Menschen in die Armut. Auch wenn der demografische Wandel für Rentner galt, betraf das Beamte und Politiker nicht. Das schauen wir uns gleich einmal an.

Wort des Jahres 2019

Das Wort Respektrente hat es zum Wort des Jahres 2019 geschafft. Die Bundesregierung hat eine neue Grundrente beschlossen, die zum 01.01.2021 in Kraft treten soll. Ob Ihnen die neue Grundrente Vorteile bringt, können Sie bei Test nachlesen. Es geht um Würde, Respekt und Anerkennung schreibt die SPD auf ihrer Webseite zum Thema Grundrente. Große Worte, für wenig Änderung an den Missständen. Es gibt ja eine Ursache, warum es Rentner heute viel schlechter geht, als vor der Jahrtausendwende. Empfehlenswert in diesem Zusammenhang der Artikel Ländervergleich unterhalb. 

Beamtenpensionen

Eines vorweg. Es geht nicht um eine Neiddebatte und ich bin nicht der Meinung, dass Beamte zu viel bekommen. Ich finde, dass Rentner viel zu wenig bekommen und das macht den feinen Unterschied. So wird auch schon darüber diskutiert, wie kann den Beamten Geld wie den Rentnern genommen werden. Es ist sicherlich für Menschen nicht gut, wenn immer nur darüber diskutiert wird, wie können wir wem, was nehmen. Korrekt wäre es, darüber zu diskutieren, wie können wir die Rentner besserstellen, um Gerechtigkeit herzustellen.

Unterschiede

Rentner bekommen als Altersversorgung rund 47 Prozent aus den durchschnittlichen Einkommen ihres Arbeitsleben. Das mindert die Rente natürlich, weil auch die beitragsschwachen Jahre mit einbezogen werden. Beamte erhalten rund 72 Prozent von dem Gehalt, was sie zuletzt verdient haben. In der Regel verdienen Beamte am Ende ihres Arbeitsleben das höchste Gehalt. Beamte sind somit prozentual bessergestellt und haben Vorteile bei der Berechnung der Pension.

Zahlen

Rente Pension Ungleichheit

91,5 Prozent der Beamten erhält eine Pension über 1.800 Euro, laut einer Berechnung des Verbandes der jungen Unternehmer. Bei den Rentnern sieht das ganz anders aus. Nur 7,1 Prozent der Rentner und gar nur 0,4 Prozent der Rentnerinnen erhält eine Rente über 1.800 Euro. Beamte haben nach fünf Dienstjahren Anspruch auf eine Mindestpension in Höhe von 1.660 Euro. Davon können Rentner nur träumen.

Laut Deutscher Rentenversicherung haben im Jahr 2018 insgesamt 18.247.094 Menschen eine Altersrente bezogen. Im Schnitt hat jeder Rentner 906 Euro bekommen. Männer erhielten im Schnitt 1.148 Euro und Frauen 711 Euro. Im Ergebnis hat somit die Rentenversicherung rund 198 Milliarden für die Altersrente aufgewendet. Rechnet man jetzt noch die Ausgaben für Witwen, Erziehungsrenten, Waisenrenten, Schwerbehinderte, Krankenversicherung, Reha und Verwaltung dazu, hatte die Rentenversicherung im Jahr 2018 Ausgaben in Höhe von 307,9 Milliarden Euro (Grafik der Rentenversicherung). 236,4 Milliarden wurden aus Beiträgen eingenommen und 75,9 Milliarden aus Bundeszuschüssen/Erstattungen(Grafik der Rentenversicherung). In Summe betrugen die Einnahmen 312,3 Milliarden Euro.

Tickende Zeitbombe

Anders wie bei Arbeitnehmer die regelmäßig ihre Beiträge in die Rentenkasse bezahlen, hat der Bund kaum etwas für seine Beamten zurückgelegt. Die Pensionen werden in der Hauptsache aus den laufenden Steuereinnahmen bezahlt. 

Explosion

Zum 31.12.2018 hat der Bund in der Vermögensrechnung einen Rückstellungsbetrag für Pensionsleistungen und Beihilfeleistungen in Höhe von 757,76 Milliarden Euro offen gelegt. Im Prinzip das Geld, das man aufwenden muss, für die Pensionen der Bundesbeamten. Die tatsächlichen Versorgungsrücklagen betrugen Ende 2018 17,53 Milliarden Euro. Ein gewaltiges Loch, das vom Steuerzahler aufgebracht werden muss.

Das betrifft nur den Bund. Länder beschäftigen geschätzt mehr Beamte wie der Bund. Hier sieht es auch nicht anders aus und auch das muss vom Steuerzahler aufgebracht werden.

Politiker

Laut Bundestag erhalten Abgeordnete eine Altersentschädigung in Höhe von 2,5 Prozent. Die Höchstentschädigung liegt bei 65 Prozent und ist nach 26 Jahren erreicht. Das heißt, dass ein Abgeordneter im Jahr 2020 rund 250 Euro Altersentschädigung erwirbt. Vier Jahre und er hat mehr als die Durchschnittsrente, die jeder Bürger bekommt. Ein Minister erhält nach 4 Jahre Regierungsarbeit 4.500 Euro. Die Bundeskanzlerin hat schon 14.000 Euro sicher. Rechnet man bei Jens Spahn seine Zeit als Abgeordneter, Staatssekretär und Minister, liegt er bei rund 9.000 Euro Altersversorgung im Monat. Im Jahr 2017 kosteten uns die drei noch lebende Bundespräsidenten rund 1,5 Millionen. Natürlich exklusiv Personenschutz. Diese Kosten werden vom Bundeskriminalamt getragen. Selbstverständlich wird für die Altersversorgung der Politiker in keine Vorsorgekasse etwas eingezahlt und wird somit aus den laufenden Steuereinnahmen aufgebracht.

Politiker gibt es im Bund, in den Ländern, im Europäischen Parlament und in den Kommunen. Da kommt so richtig was zusammen, was vom Steuerzahler erwirtschaftet werden muss.

Fazit

Natürlich muss man sich die Fragen stellen, warum gehen einige mit vielen Tausend Euro in den Ruhestand, während andere Flaschen und Dosen sammeln, um mit dem Pfand die magere Rente aufzubessern. Wieder andere tragen Zeitungen aus oder fahren Taxi. Hier sprechen wir nicht von den Faulenzern der Nation. Das müssen Menschen machen, die 45 Jahre lang fleißig gearbeitet haben, nur eben schon im Arbeitsleben um einen vernünftigen Lohn betrogen worden sind. Dem hätte sich die Politik annehmen müssen! Die Pensionen der Politiker zahlen alle Arbeitnehmer! Die müssen für ihre Pension im Gegensatz zu uns nichts einbezahlen. Wenn es um die Gerechtigkeit geht, dann müssen wir uns mit solchen Dingen befassen. Es ist eine Schande für Deutschland, wenn es sich im EU-Vergleich bei der Zahlung der Renten am Schluss befindet. Da müssen wir uns die Frage stellen: „Kann man nur eines der reichsten Länder sein, wenn man die eigenen Bürger bescheißt“?

Zukunft fair gestalten

Die Befreiung vom Geld,
gibt uns die Freiheit zurück!

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Alf-Gordon Shumway
2 Monate zuvor

Traurig aber leider wahr !

Armes Deutschland