Niedriglohn

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  • Beitrag zuletzt geändert am:27. Oktober 2020
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Niedriglohn

Niedriglohn

Der Niedriglohn ist ein Arbeitsentgelt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers, das sich lediglich knapp oberhalb der Armutsgrenze befindet. In Deutschland arbeitet jeder vierte und in Österreich jeder sechste Arbeitnehmer für einen Niedriglohn.

Wer einer Arbeit in Vollzeit nachgeht, sollte von dieser vernünftig leben können. Das ist leider immer öfters nicht mehr der Fall. Menschen im Niedriglohn werden nicht nur um einen fairen und gerechten Lohn gebracht, das wirkt sich auch später im Alter bei der Rente/Pension negativ aus. Der Niedriglohnsektor kennt viele Ungerechtigkeiten, die legalisiert wurden. Unternehmen lassen sich ständig etwas Neues einfallen, um den Tariflohn zu umgehen. Der Gesetzgeber schaut blind zu und erweitert in aller Regel den Spielraum zugunsten der Unternehmen.

Studie

Wie die Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2012 berichtet, arbeitete im Jahre 2010 fast jeder vierte Arbeitnehmer (23,1 Prozent), rund 8 Millionen Menschen in Deutschland für einen Niedriglohn und bezieht sich dabei auf eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Im Jahr 2010 lag die Niedriglohnschwelle bei 9,15 Euro, laut Berechnung der IAQ-Forscher. Wer unter 9,15 Euro verdiente, arbeitete im Niedriglohnsektor. Weiter stellten die Forscher fest, dass sich der Niedriglohnsektor auf hohem Niveau verfestigt hat und in der Zeit von 1995 bis 2010 die Zahl der Betroffenen um 2,3 Millionen zugenommen hat. 

Besonders drastisch war der Anstieg in den alten Bundesländern mit 68 Prozent, während der Anstieg in den neuen Bundesländern um 3 Prozent betrug. Gut 2,5 Millionen Beschäftigte verdienten 2010 weniger als 6 Euro pro Stunde. Ein Phänomen, das auch in Österreich immer weiter um sich greift. Auch wenn es mittlerweile in Deutschland den Mindestlohn gibt, so wird raffiniert getrickst, um diesen zu senken.

Wer arbeitet im Niedriglohn?

Sehr oft wird behauptet, dass vom Niedriglohn nur ungelernte Arbeitskräfte betroffen sind. Lügen halten sich hartnäckig, aber die Realität sieht oft ganz anders aus! Von den 8 Millionen Beschäftigten in Deutschland, die im Niedriglohnsektor tätig sind, hatten 800.000 einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss. Weitere 5,6 Millionen Menschen hatten eine Ausbildung und 1,6 Millionen waren wirklich ungelernt. Niedriglohn betrifft alle Schichten und es wird immer mehr zum Glücksspiel, davon verschont zu bleiben!

Niedriglohn steht für Erwerbsarmut

Heute werden viel mehr Menschen vom Niedriglohn betroffen sein, die einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss haben. Jahrzehnte wurde den Kindern eingebläut, lerne etwas Gescheites, damit aus dir einmal etwas wird. Das hat dazu geführt, dass viele nach einem Abschluss an höheren Schulen gestrebt haben. Heute fehlen aufgrund dieser Tatsache eher die Handwerker. 

Mindestlohn

Zum 01.01.2015 wurde der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland eingeführt. Am 03.07.2014 verkündete Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: „Wir halten Wort. Als feste Basis wird der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn künftig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor unanständig niedrigen Löhnen schützen.“ Frau Nahles sprach davon, sie möchte vor unanständig niedrigen Löhnen schützen. Heißt das, ein Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro im Armutsbereich ist ein anständiger Lohn? Die Niedriglohnschwelle lag bereits 2010 bei 9,15 Euro. Konnte der Bürger nicht schon längst erwarten, dass die Politik etwas gegen die Ausbeutung unternimmt? Niemand der im Bereich des Mindestlohnes arbeitet, hat eine Chance eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erhalten. Heute, fünf Jahre später, im Jahre 2020 liegt der Mindestlohn bei 9,35 Euro.

Niedriglohn ist Ausbeutung

Arbeitsplatz Niedriglohn

Deutschland beutet seine Arbeitnehmer immer mehr aus und gibt den anderen Ländern damit vor, wie die Wirtschaft funktionieren muss! Aus normalen Arbeitsplätzen werden Teilzeit-, Zeitarbeit oder gar Minijobs. Vom Arbeitnehmer wird hohe Flexibilität eingefordert, zugunsten der Wirtschaft. Wer über die Runden kommen möchte, benötigt gleich 2 oder 3 Jobs zur gleichen Zeit! Der Lohn meist zu gering, keine soziale Absicherung und die Zukunft ist meist ungewiss!

Der Arbeitsmarkt von heute kennt viele Ungerechtigkeiten, die legalisiert wurden. Den Arbeitgebern gefällt eine solche Politik natürlich. Der Arbeitsmarkt ist deutlich flexibler geworden und es stehen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung, die jeden Job annehmen müssen.

Leiharbeit

Leiharbeit

Seit der Agenda 2010 nahm die Einkommensungleichheit deutlich zu und die Leih- und Zeitarbeit weitet sich massiv aus. Waren 2003 etwas über 300.000 Leiharbeiter beschäftigt, so waren es 2015 bereits 960.000 Leiharbeiter. Insgesamt 5,7 Prozent der Leiharbeiter haben Anspruch auf Hartz IV, weil ihr Verdienst so gering ist, dass sie davon nicht ihr Leben bestreiten können. In der Metall- und Elektroindustrie arbeiten mit einem Anteil von 36 Prozent die meisten Leiharbeiter. Davon 11 Prozent im Maschinenbau und 10 Prozent im Fahrzeugbau.

Findigen Unternehmern reicht die Leiharbeit nicht. Sie haben neue Wege gefunden, Löhne auf das tiefste Niveau zu drücken. Mithilfe von Werksverträgen wird nicht mehr Arbeitskraft eingekauft, sondern Dienstleistungen. Das entspricht dann Sachleistungen und kann dementsprechend schlecht abgegolten werden. Das Ziel von Werksverträgen ist Kostensenkung zulasten der Beschäftigten. Oft arbeiten die Beschäftigten sogenannter Dienstleister Seite an Seite mit der Stammbelegschaft des Unternehmens, nur zu schlechteren Bedingungen. Offizielle Zahlen gibt es nicht, sie werden nicht erfasst. Die IG Metall sieht diese Entwicklung mit großen Bedenken und sagt: „Dass heute schon in zwei von drei Betrieben Arbeiten per Werksvertrag fremd vergeben werden.“ Eine solche Entwicklung dürfen wir wirklich nicht unterschätzen, da es die Rechte von Arbeitnehmern untergräbt. Das ist aber nicht nur ein Problem in Metallberufen, sondern betrifft fast alle Branchen. Bei Supermarktketten ist das ein sehr beliebtes Mittel, Regalbetreuer zu beschäftigen.

Gute Bildung kein Garant

Prekäre Arbeit durch Niedriglohn

Die Zahl der Festangestellten in Bereichen guter Bildung geht immer weiter zurück und es entsteht ein ganz neuer brutaler Markt zur Ausbeutung der Menschen. Das Schlagwort heute ist Freelancer oder Crowdworker. Unternehmen binden sich nicht mehr an festes Stammpersonal. Aufträge werden an Agenturen vergeben, die wiederum freie Mitarbeiter beauftragen. Eine dieser Agenturen ist Clickworker. Allein für Clickworker arbeiten weltweit über 700.000 Menschen.

Ausgelagert werden heutzutage immer mehr Aufgaben. Das Programmieren von Codes, Schreiben von Texten, die Pressefotografie, Erstellen von Grafikarbeiten, das Korrigieren von Büchern und vieles mehr an Aufgaben landet nun bei Agenturen. Die freien Mitarbeiter dieser Agenturen sind einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt. Die Bezahlung für erledigte Aufträge ist alles andere als üppig. Als Selbstständige müssen die freien Mitarbeiter sich selbst versichern. Für Unternehmen sind solche Arbeitsverhältnisse natürlich sehr willkommen. Die Firmen haben keine Lohnnebenkosten, sie müssen keinen Urlaub bezahlen und der Anspruch auf Krankengeld entfällt. Eine Bindung an die Arbeitnehmer gibt es nicht und trotzdem können die Firmen über ein Heer von Arbeitnehmern verfügen. Ein Paradies für jeden Arbeitgeber. Für die selbstständigen, freien Mitarbeiter sieht es aber anders aus. Es besteht ein sehr hoher Konkurrenzdruck bei der Beschaffung von Aufträgen. Nach Abzug der Abgaben bleibt meist nur ein Betrag, der oft den Mindestlohn unterschreitet, kein Urlaubsanspruch und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Bei aller Freiheit, die man als Freelancer genießt, ist eine unsichere Existenz ein steter Wegbegleiter. So mancher stockt auf diesem Weg mit Hartz IV auf oder hat noch einen zusätzlichen geringfügig bezahlten Job als kleinen Zusatzverdienst. Freelancer erscheinen in keiner Arbeitslosenstatistik auf, sondern gelten als Selbstständige. Selbst Professoren an den Unis werden mittlerweile als freie Mitarbeiter eingestellt.

Niedriglohn hat Zukunft

Der Umstieg auf die Elektromobilität und die Digitalisierung wird viele Arbeitsplätze frei setzen. Dazu gibt es einen eigenen Artikel, im unteren Bereich gelistet. Steigen die Arbeitslosenzahlen, wird die Politik kaum für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Immerhin belasten Arbeitslose den Haushalt und spülen kein Geld in die Sozialkassen. Das gibt Unternehmen die Möglichkeit, den Druck durch Arbeitsplatzverlust zu erhöhen. Wenn es um den Profit der Anleger geht, werden Unternehmen kein Schamgefühl kennen, ihre Interessen am Markt zu platzieren. Menschen die im Niedriglohn arbeiten, werden auch Bestandteil der Zukunft sein und es ist zu befürchten, dass es eher mehr Menschen betreffen wird, als weniger.

Zukunft fair gestalten

Die Befreiung vom Geld,
gibt uns die Freiheit zurück!

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