Lebenserwartung

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  • Beitrag zuletzt geändert am:8. Juli 2020
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Lebenserwartung armer Menschen ist geringer

Lebenserwartung

Wie das Ärzteblatt schreibt, hat sich der 116. Deutsche Ärztetag im Jahr 2013 zum zweiten Mal seit dem Jahr 2005 mit der Armut und der daraus resultierenden geringeren Lebenserwartung beschäftigt. „Es ist eine Schande, dass die Lebenserwartung in unserem reichen Land schichtenabhängig immer noch um zehn Jahre differiert“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery auf dem Ärztetag.

Lebenserwartung und Einkommen

Ein Gastreferent war Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck vom Institut für medizinische Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Seine Tätigkeitsschwerpunkte befassen sich mit den sozialen Einflüssen auf Gesundheit und Krankheit und der medizinsoziologischen Versorgungsforschung. Der Sozialwissenschaftler Knesebeck macht darauf aufmerksam, dass es einen linearen Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung gibt. Zwischen Männern, die höheren Einkommensschichten angehören, und solchen, die in relativer Armut leben, beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung rund 10,8 Jahre, bei Frauen 8,4 Jahre. Die Gründe hierfür sind vielfältig, liegen vor allem in den materiellen Lebensbedingungen, dem unterschiedlichen Gesundheitsverhalten und in psychosozialen Belastungsfaktoren, laut Knesebeck.

Politik muss helfen

Wie die Ärztezeitung berichtet, fordert die Ärzteschaft auf dem 116. Ärztetag die Politik auf zu helfen, auch wenn dies in Wahljahren kein populäres Thema für die Politik ist. Es geht um Chancengleichheit und eine bessere Gesundheitsversorgung für sozial benachteiligte Menschen. Wie die Zeitung berichtet, fehlt es den Ärzten nicht an guten Ideen und konkreten Konzepten. Allerdings ist man sich bewusst, dass die Politik derartige Themen gerne vernachlässigt. Aktiv möchte die Ärzteschaft in der Zukunft auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und darauf einwirken, dass Benachteiligungen abgebaut werden. Dies beschlossen die Ärztetag-Delegierten in einem Entschließungsantrag und machten darauf aufmerksam, dass sie als Ärzte nicht das Problem der Armut lösen können.

Rentenkürzung

In der Osnabrücker Zeitung warnt der DGB in Bezug auf große Unterschiede in der Lebenserwartung vor unsinnigen Debatten über ein höheres Renteneintrittsalter. Die DGB-Funktionärin Annelie Buntenbach bezieht sich dabei auf eine Studie der Zurich-Versicherung, aus der hervorgeht, dass Arme früher als Reiche sterben. Demnach haben armutsgefährdete Männer in Deutschland eine Lebenserwartung von gerade einmal 70,1 Jahren. Bei armutsgefährdeten Frauen liegt die Lebenserwartung bei 77 Jahren. Reiche Männer können dagegen auf 81 Jahre Lebenserwartung hoffen und reiche Frauen sogar auf 85 Jahre. Die Gewerkschafterin weist darauf hin, dass ein höheres Renteneinstiegsalter einem Rentenkürzungsprogramm gleichkommt.

Renteneintrittsalter

Arme Männer werden also im Schnitt nur 70,1 Jahre. Dann ergibt die Forderung des ehemaligen Bundesfinanzministers Schäuble, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben, einen Sinn. Demnach würden arme Männer so gut wie gar nichts aus der Rentenkasse bekommen. Hört sich nicht unbedingt fair an.

Wer im Niedriglohnsektor arbeitet und den Mindestlohn hat, verdient rund 1.500 Euro brutto. Demnach bezahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer rund 300 Euro im Monat in die Rentenkasse ein. Im Jahr rund 3.600 Euro und so kommen nach 45 Jahre rund 162.000 Euro zusammen. Wer im Mindestlohn arbeitet, wird so wenig Rente haben, dass er auf Grundsicherung aufgestockt wird, also rund 800 Euro im Monat. Bei einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren und einer Lebenserwartung von 70,1 Jahren erhält er dann für rund drei Jahre und zwei Monate die Grundsicherung. In der Summe macht das einen Betrag von rund 30.400 Euro aus. Ziehen wir diesen Betrag von den im Arbeitsleben entrichteten Beiträgen ab, verbleibt ein Betrag von 131.600 Euro. Arme Frauen mit einem höheren Durchschnittsalter erhalten etwas mehr und je nachdem eine Witwenrente. Das heißt, dass arme Menschen, die ein Leben lang auf sehr vieles verzichten mussten, am Ende die Rentner subventionieren, die es schon immer finanziell besser hatten und auf nichts verzichten mussten und aus diesem Grund noch Lebenszeit dazu bekommen.

Mit dieser Rechnung soll nicht der Neid befeuert werden. Es geht eher um Fairness, wie könnte mehr Gerechtigkeit hergestellt werden.

Lebenserwartung Glasgow

Kritiker werden möglicherweise sagen, dass es arme Menschen gibt, die älter als 70,1 Jahre werden. Ganz sicher, die gibt es, und verdammt viele, die nicht einmal das Renteneintrittsalter erleben. 70,1 Jahre stellt den Durchschnitt von Männern dar, die in Armut oder am Rande der Armut gelebt haben. Professor Knesebeck sagt, dass es gesundheitliche Ungleichheit in den meisten Industrieländern mit zum Teil extremen Auswirkungen gibt. Dies verdeutlicht er an einem Beispiel aus Glasgow in England. Im Problemstadtteil Calton haben Männer eine Lebenserwartung von gerade einmal 54 Jahren. Dies ist nicht höher als die Lebenserwartung der Männer in der Demokratischen Republik Kongo. Im Nobelstadtteil Lenzie liegt laut WHO-Daten die Lebenserwartung der Männer bei 82 Jahren. Dies ist eine satte Differenz von rund 28 Jahren.

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