Rechtfertigt Habgier alles?

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  • Beitrag zuletzt geändert am:27. Oktober 2020
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Ursachen der Finanzkrise 2008

Finanzkrise

Am 15. September 2008 erlitt die viertgrößte Investmentbank »Lehman Brothers« ihren Zusammenbruch und die Aktienkurse an der Wall Street rauschten in den Keller. Die Finanzwelt erzitterte und alles sprach von der schlimmsten Finanzkrise seit dem Schwarzen Freitag von 1929. Mit einem Schlag verloren viele Anleger ihr komplettes Geld. Schätzungen gehen davon aus, dass alleine rund 50.000 deutsche Anleger ihr Geld verloren haben. Nur ein knappes Zehntel der Anleger hatte weniger als 10.000 Euro für die Lehman-Zertifikate angelegt. Die restlichen Anleger hatten bis zu 74.000 Euro für Lehman-Zertifikate ausgegeben.

Schlecht beraten

Die einen hatten das Geld angelegt, um ihren Kindern eine vernünftige Ausbildung zu finanzieren, während andere für das Alter vorgesorgt haben. Banken erhielten von Anlegerschützern ein schlechtes Zeugnis. So hatten diese ihren Kunden versichert, dass die Zertifikate zu 100 Prozent sicher seien. Schlimmstenfalls gebe es keine Zinserträge, den eingesetzten Betrag gebe es aber immer zurück. Wer so etwas vom Banker seines Vertrauens hört, glaubt dies natürlich auch. Warum sollte er es auch anzweifeln, ist der Mann hinter dem Schreibtisch doch genau der Fachmann, den er braucht.

Vertrauensverlust

Finanzkrise 2008 Ursache Habgier

Das Vertrauen in die Kapitalmärkte war zutiefst erschüttert. Es drohte die Gefahr, dass Sparer ihre Guthaben von den Konten holen, um diese in Sicherheit zu bringen. Keiner wusste, wohin dies alles führen würde. Die Angst der Sparer zwang die Bundesregierung zum Handeln. Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück traten vor die Presse und verkündeten, dass die Spareinlagen der Sparerinnen und Sparer sicher seien und die Bundesregierung dafür bürge. 

Ungedeckte Spareinlagen

Das war ein deutliches Zeichen an die Sparer und brachte auch Ruhe in unruhige Zeiten. Wer aber nun glaubt, man wollte Sparern etwas Gutes tun oder sie gar schützen, der täuscht sich. Mit dieser Aussage wollte man nur eine viel größere Katastrophe verhindern. Was wäre eingetreten, wenn die Sparer ihr Geld von der Bank versucht hätten abzuheben? Wir haben zwar alle einen Zettel, auf dem steht, wie viel Guthaben wir haben, mehr aber auch nicht. Dieser Zettel sagt nur aus, was wir haben könnten, wenn es dann vorhanden wäre. Gehen nur wenige Sparer ihr Geld holen, ist dies kein Problem. Hätten aber massenweise Sparer ihr Geld haben wollen, so wäre das Bankensystem kollabiert. Denn das Geld der Sparer ist nur zu einem recht kleinen Teil real vorhanden.

Risiko Giralgeld

Durch das Schöpfen von Giralgeld oder eben Buchgeld ist ein Vielfaches an Geld unterwegs, das nicht durch Münzen oder Papiergeld gedeckt ist. Daher würde es auch zu Chaos kommen, wenn die Menschen feststellen müssten, dass sie nicht bekommen können, was auf dem Auszug steht. Dann würde man erstmals verstehen, was eigentlich wirklich abläuft. Dies geschah auch in Griechenland, als Banken tagelang geschlossen waren und man am Automaten nur limitiert Geld bekam. Da haben die Menschen erstmals verstanden, dass sie Guthaben haben, aber dass sie ihr zustehendes Geld nicht bekommen können.

Ursache der Finanzkrise

Immobilienblase

Als Auslöser für die Finanzkrise 2008 gilt die Immobilienblase in den USA. Auch dies zeigt, dass es keine Rolle spielt, wo auf der Welt es zum Desaster kommt, die Auswirkungen sind weltweit zu spüren. Durch die Globalisierung sind die ganzen Finanzsysteme miteinander verwurzelt und jede Krise kann eine Kettenreaktion oder den Super-GAU auslösen.

Billiges Geld

Nach der Dotcom-Blase im Jahr 2000, als die Technologiewerte an den Börsen in den Keller fielen, befand sich viel billiges Geld auf dem Markt, das der damalige Notenbankchef Alan Greenspan in die Märkte pumpte. Immer mehr Amerikaner erhielten trotz eines geringen Einkommens einen Kredit zum Kauf eines Hauses. Es gab Extremfälle, da hatten Kreditnehmer nicht einmal einen Job und auch keine Sicherheiten zum Absichern des Kredits. Bei den Banken herrschte Goldgräberstimmung und die Habgier tat ihr Übriges.

Täuschung

So manchen Kunden wurden zur damaligen Zeit Kredite regelrecht aufgedrängt, mit dem Versprechen, es sei das beste Geschäft ihres Lebens. Die meisten von ihnen nahmen nicht wahr, dass ein flexibler Zinssatz vereinbart war. Anfangs war er recht tief angesetzt und im Laufe der Zeit stieg dieser an. Als dann auch noch die Leitzinsen stiegen, fielen die Häuserpreise. Bereits Ende 2006 konnten viele die Raten ihrer Häuser nicht mehr bedienen und es kam zu Zwangsversteigerungen.

Mogelpackung

Finanzkrise 2008 Ursache Habgier

Investmentbanken schnürten Hypothekenpakete mit guter, mittlerer und schlechter Bonität. Dies waren die sogenannten Mortgage Backed Securities, kurz MBS, also durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere. Diese Hypothekenpakete schnürte man mit anderen Finanzprodukten zu sogenannten Collateralized Debt Obligations, kurz CDO. Da wollte man ganz clever sein und eine Sicherheit einbauen. 

Habgier

Man war überzeugt davon, dass durch gemischte Qualität der Papiere, der ein oder andere Ausfall eines Kredits gut abgefangen werden konnte. Diese neu geschaffenen Finanzprodukte wurden in der Folge immer wieder neu aufgeteilt und zu neuen Wertpapierpaketen geschnürt. Die Papiere wurden weltweit verkauft und wurden zum Renner. Für die Investmentbanken wurde dies zum Erfolg. Jeder weitere Immobilienkredit, den die Banker als Wertpapier weiterverkauften, ließ die Kasse kräftig klingeln. Je höher der Gewinn der Bank, desto höher der Bonus der Banker. Das Vergütungssystem der Banken verschärfte somit die Krise. Es entstand eine grenzenlose Habgier, mit diesen faulen Krediten zu handeln.

Strudel der Finanzkrise

Dass der Handel mit diesen Papieren so gut lief, da haben leider auch die Ratingagenturen ihren Anteil daran. Diese vergaben die Bestnoten, also AAA. Einem weltweiten Handel stand somit nichts mehr im Wege. Die Häuserpreise fielen weiter und sehr viele Immobilien mussten zwangsversteigert werden. Käufer der kreditversicherten Hypotheken, darunter sehr viele Banken, mussten in der Folge Abschreibungen in Milliardenhöhe machen. Von da an misstrauten sich die Banken und liehen sich untereinander kein Geld mehr. Die weltweiten Finanzströme kamen ins Stocken und als im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete, überschlugen sich die Ereignisse. Die Banken gerieten tief in den Strudel der Finanzkrise.

Weltweite Folgen

Auch Deutschland blieb davon nicht verschont und die Bundesregierung beschloss am 13.10.2008 das wohl teuerste Gesetz der deutschen Geschichte. Ein Rettungsschirm in Höhe von 480 Milliarden Euro sollte die Banken retten. In die Hypo Real Estate pumpte der deutsche Staat knapp über 100 Milliarden Euro und verstaatlichte die Bank.

Wirtschaftskrise

Wirtschaftskrise

Die Finanzkrise blieb nicht folgenlos und es folgte eine Wirtschaftskrise. Die Konsumenten waren verunsichert und der Konsum ging weltweit zurück. Besonders hart traf es die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Die Industrieproduktion brach massiv ein und es folgten Konjunkturprogramme, um die Folgen der Wirtschaftskrise etwas einzudämmen. Das wohl bekannteste in Deutschland war die Abwrackprämie. 

Währungskrise

Der Wirtschaftskrise folgte die Währungskrise und die EZB wurde 2010 zum Gläubiger von Griechenland und Europa zu Bürgen. Auch andere Länder in Europa gerieten in die Schuldnerrolle und Europa verteilt Geld verbunden mit Sparauflagen mit offenem Ausgang.

Zukunft fair gestalten

Die Befreiung vom Geld,
gibt uns die Freiheit zurück!

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