Demografischer Wandel

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  • Beitrag zuletzt geändert am:8. Juli 2020
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Demografischer Wandel

Demografischer Wandel

Seit Jahrzehnten wird in der deutschen Öffentlichkeit das Schreckensszenario demografischer Wandel geschürt, um die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Immer wieder ist zu hören, dass der Geburtenrückgang zur Katastrophe führen wird und die Sozialsysteme in der Zukunft an der immer älter werdenden Bevölkerung zusammenbrechen werden. Auf immer weniger Beitragszahler kommen immer mehr Rentner. Absolut nicht zu finanzieren, die Rente in der Zukunft.

Zufriedene Rentner

In der Rentendebatte jammert die Junge Union darüber, dass ihre Generation ausgebeutet werde, weil sie immer mehr Alte finanzieren müssen. Ein klarer Ruf nach Generationengerechtigkeit von immer mehr Seiten. So heißt es, die Alten seien recht gut situiert, während die Jungen zu stark belastet würden, ohne Hoffnung auf eine vergleichbare gute Zukunft.

Ein Teil der Presse sprang mit auf den Zug demografischer Wandel und erzeugte weiteren Druck in der Debatte um die sogenannten reichen Rentner. Fakt ist, den Rentner ging es besser. Können das Bürger nicht erwarten, die jahrzehntelang den Staat mitfinanziert haben? Ist es heute besser, seit Rentner von Altersarmut bedroht sind?

Rentenniveau

Eine solche öffentliche Stimmung macht es der Politik leicht, sich Stück für Stück aus der eigenen Verantwortung zu stehlen. Bei der Stimmung, die im Land herrschte, fiel es recht leicht, die Renten zu beschneiden. In den Augen vieler war es fair, den reichen Rentner etwas zu nehmen. Immerhin war es wichtig, die demografische Katastrophe aufzuhalten und weiteres drohendes Unheil abzuwenden. Der demografische Wandel galt als unumstößliche Tatsache. 

Verlust

Die Renten fielen von einem Rentenniveau von 70 Prozent herunter auf mittlerweile nur noch knapp über 47 Prozent und das Renteneintrittsalter wurde von 65 auf 67 Jahre erhöht. So gibt es schon erste Stimmen, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen. Unsicher ist, wie es mit dem Rentenniveau weitergehen wird und wie weit es in der Zukunft fallen wird. Zur Schließung der Versorgungslücke wird vonseiten der Regierung die private Vorsorge empfohlen. Passend dazu wird die Riester-Rente ins Leben gerufen und der Staat gibt in Verbindung mit der Riester-Rente Zuschüsse für Bürger, die nun privat vorsorgen.

Meinungsmache demografischer Wandel

Es lohnt sich die Frage zu stellen, sind wir bewusst getäuscht worden? Ist die Panikmache „Demografischer Wandel“ nur ein wunderbares Beispiel, wie Meinungsmache funktioniert? Wir werden uns das etwas näher anschauen.

Unterschiedliche Meinungen

Demografischer Wandel betreffend, ist die Wissenschaft in zwei Lager gespalten. Jedes Lager sagt selbstverständlich von sich, recht zu haben. Ich werde versuchen, die Thematik so einfach wie möglich zu präsentieren, und Sie als Leser können aus dem berühmten Bauchgefühl heraus entscheiden, wie es sich mit dem demografischen Wandel verhält. Wurde uns im Zusammenhang “ demografischer Wandel“ nur Geld aus der Tasche gezogen und die Rentner nur um ihren wohlverdienten Lebensabend betrogen? Oder waren die Maßnahmen der Regierung wie die massive Rentenkürzung und Riester-Rente eine sinnvolle Maßnahme?

Meinungsmache

Meinungsmache Medien Manipulation

Demografischer Wandel

Verschiedene Zeitungen haben zur damaligen Zeit über den demografischen Wandel berichtet und gerne wurde eine Studie des Freiburger Finanzwissenschaftlers Raffelhüschen zitiert, die besagte das jedem Zweiten Altersarmut droht. Verschwiegen wurde aber, dass die Studie von einer Versicherung finanziert wurde. Für Versicherungen öffnete sich durch die Studie ein enormer Markt und Zeitungen profitierten von der Werbung, die im großen Stil geschaltet wurde. Ging es Rentner bis dahin recht gut, droht nun wirklich die Altersarmut.

Unabhängige Wissenschaft?

Bernd Raffelhüschen ist Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Raffelhüschen wirbt für eine Ergänzung des umlagefinanzierten Rentensystems durch eine kapitalbasierte Rente. Kritisiert wird Raffelhüschen, weil er als Wissenschaftler für die kapitalgedeckte private Altersvorsorge wirbt. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Nebentätigkeiten in der Versicherungswirtschaft. So ist Raffelhüschen Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe sowie der Volksbank Freiburg. Für die Victoria Versicherung AG in Düsseldorf ist er als wissenschaftlicher Berater tätig und ist als Vortragsreisender für die private Versicherungswirtschaft unterwegs. Seine Forschungsschwerpunkte sind der demografische Wandel sowie die Systeme der sozialen Sicherung. Raffelhüschen ist regelmäßig in verschiedenen Beratungsfunktionen für die Politik tätig. Von 2002 bis 2003 war er Mitglied der Rürup-Kommission zur Zukunft der sozialen Sicherungssysteme. Im sogenannten Rürup-Bericht wurden unterschiedliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Sozialversicherung erarbeitet und vorgeschlagen. Dies betrafen die Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung.

Das schadet der Wissenschaft

Mich persönlich stört es schon sehr, wenn Wissenschaftler als Berater der Politik eingesetzt werden, wenn sie eine solche Nähe zur privaten Wirtschaft haben. Egal, ob es um unsere Gesundheit geht oder das liebe Geld, ähneln sich die Vitae der Berater und Sachverständigen. 

Gekaufte Wissenschaft?

So wurde im Jahre 2015 Professor Helmut Greim im Landwirtschaftsausschuss des Bundestages als unabhängiger Sachverständiger in der Angelegenheit „Glyphosat“ geladen. Im Landwirtschaftsausschuss gab Professor Helmut Greim Entwarnung. Er habe kein Verständnis für die ganze Aufregung. Glyphosat sei eher harmlos. Dies habe er in einer eigenen Studie belegen können. Nun wäre noch erwähnenswert, diese Studie entstand in Zusammenarbeit mit David Saltmiras, einem Mitarbeiter von Monsanto. 

Dies sind keine Einzelfälle, obwohl es für uns Bürger um sehr viel geht. Es schadet nicht, bei Studien genauer hinzuschauen, wer diese finanziert. Das darf Wissenschaft aber nicht grundsätzlich in Verdacht bringen, käuflich zu sein.

Basisversorgung

Dass die Rente massiv gemindert werden muss, dazu gibt es viele Stimmen. Viele zielen darauf ab, dass die Rente nur noch eine Art Basisversorgung garantieren soll, was immer das heißen mag. Vielleicht auf Hartz-IV-Niveau? Wer eine höhere Rente erwartet, muss eben privat vorsorgen, so der gemeinsame Tenor. Auffällig sind die Verflechtungen von Politik, Wissenschaft und Versicherungswirtschaft bei denen, die für Rentenkürzungen sind. Die Absenkung des Rentenniveaus ist nichts anderes und stellt Menschen schlechter, die sich vom Lohngefüge gar keine private Vorsorge leisten kann.

Wurde Angst geschürt?

Eine weitere sehr kritische Stimme in Bezug auf die Demografie-Prognosen ist Professor Dr. Gerd Bosbach. Er ist ein deutscher Mathematiker, Professor für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz. Unter anderem beschäftigt sich Bosbach mit dem Statistik-Missbrauch und hat zusammen mit Jens Jürgen Kroff das Buch „Lügen mit Zahlen“ geschrieben. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes und anschließend in der Statistikabteilung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung tätig.

Angst Furcht

In einem Interview der Tagesschau kritisiert Bosbach die Demografie-Prognosen und sagt: „Da wird massiv Angst geschürt.“ Eine Vorhersage so weit in die Zukunft hält er für abstrus. Niemand kann zuverlässig so weit in die Zukunft schauen und wer dies von sich behauptet, ist ein Traumtänzer seiner Meinung nach. So verweist Bosbach darauf, dass es schon diverse Gruppen gibt, die an der Absenkung der Rente verdienen.

So nennt er die Arbeitgeber. Die Beiträge für die Rente sind für Arbeitgeber die größten Posten der Lohnnebenkosten. Bosbach stellt fest, dass die Arbeitgeber ohne die Angst vor dem demografischen Wandel nie aus der paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung herausgekommen wären. Weiter nennt Bosbach das Versicherungsgewerbe, das gerne am 250 Milliarden Euro schweren Marktes mitnaschen möchte. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Parteispenden nach der beschlossenen Riester-Rente wieder zurückgingen. Nach seiner Ansicht wurde massiv Einfluss genommen!

Versicherung als Gewinner

Für die Versicherungsbranche ging die Rechnung auf. So wurden vom Jahr 2001 bis zum 3. Quartal 2016 insgesamt 16,5 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen. Ein Segen für die Branche. Was hat es den Bürgern gebracht? Die Riester-Rente sollte vor allem Klein- und Mittelverdiener bei der privaten Altersvorsorge unterstützen. Selbst eine Riester-Rente muss sich der Bürger leisten können.

Reiche werden bevorzugt

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Freien Universität Berlin (FU) ergab im Jahr 2015, dass von der staatlichen Förderung zum großen Teil Gutverdiener profitieren. Danach landen 38 Prozent der Riester-Zulagen bei den oberen 20 Prozent der Einkommensskala. Die nach Einkommen schwächsten 20 Prozent der Bundesbürger kommen nur auf sieben Prozent der Riester-Förderung. Die Riester-Rente privilegiert mal wieder die ohnehin Privilegierten. Ein schöner Mitnahmeeffekt für Besserverdienende in Milliardenhöhe. Sicherlich aber kein Mittel gegen die auf uns zurollende Altersarmut.

Lohnnebenkosten fallen

Für Arbeitgeber haben der Abbau und die drastische Kürzung der Rente auch Vorteile gebracht. So sank der Rentenbeitragssatz von 20,3 Prozent im Jahre 1998 bis auf 18,7 Prozent im Jahre 2016. Durch Abschaffung der Arbeitslosenhilfe konnte schon die Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 3,0 Prozent gesenkt werden. Dies macht sich schon bemerkbar und je mehr Arbeitnehmer ein Arbeitgeber hat, desto größer die Ersparnis. Nur eben auf dem Rücken derer, die darunter leiden müssen.

Mehr Kinder als Lösung?

Kinder beim lernen

Mit dem Schreckgespenst demografischer Wandel wird also richtig gut Geld gemacht. Zu wenig Kinder und immer mehr Alte, dies wurde uns Bürgern verkauft. Es wird immer weniger Beitragszahler geben und auf der anderen Seite immer mehr Rentner, die finanziert werden müssen. Nur was wäre gewesen, wenn es mehr Kinder gegeben hätte. Wir hätten heute mehr Arbeitslose oder eben Hartz-IV-Empfänger. Das hätte nichts an der Tatsache geändert, dass es einfach zu wenig Arbeit für die Bürger im Lande gibt.

Hohe Kosten

Statt in die gesetzliche Rentenversicherung stecken wir heute einen Teil in die private Vorsorge der Versicherungswirtschaft. Kopfloser geht es nicht. Während die Verwaltungskosten bei der gesetzlichen Rentenversicherung lediglich 1,4 Prozent ausmachen, belohnen wir die Versicherungswirtschaft mit 15-20 Prozent unserer wertvollen Altersvorsorge. Versicherungen sind keine Sozialvereine. Dort wird viel Geld in die Werbung gesteckt, um sich einen Vorteil der Konkurrenz gegenüber zu sichern. Vertreter bekommen für Vertragsabschlüsse hohe Provisionen und letztendlich will das Unternehmen selbst verdienen, es sind ja gewinnorientierte Unternehmen. Das bezahlt alles der Kunde mit, auch wenn dies nicht jedem bewusst ist. Keiner kann heute wirklich voraussehen, was er eines Tages durch die Riester-Rente rausbekommt. Dies ist abhängig von den weltweiten Märkten und den zukünftigen Zinsentwicklungen.

Gerechter Anteil

Im Prinzip haben wir kein demografisches Problem. Hätten die Menschen einen gerechten Anteil am Wachstum gehabt, gäbe es gar keine Finanzierungsprobleme für die Rente. Eine faire Entlohnung hätte genügend Geld in die Sozialkassen gespült. Da hätte der Gesetzgeber ansetzen müssen. Stattdessen nimmt er den eigenen Bürger die Rente weg, um die Privatwirtschaft zu füttern. Für mich hat der Gesetzgeber eindeutig den Wohlstand seiner Bürger verkauft. Das Umlageverfahren ist eindeutig das effizienteste und sicherste System der Altersversorgung.

Österreich Austria AT

Österreich

In Österreich ist die private Vorsorge kein Thema. Hier leben Rentner recht gut von der gesetzlichen Rente, die sie vierzehn Mal im Jahr ausgezahlt bekommen, die bedeutend höher als die deutsche Rente ist. In Österreich gibt es auch den demografischen Wandel, nur hat der noch nicht dazu geführt, dass man die eigenen Bürger benachteiligt. Wie dies funktioniert? Dazu gibt es weiter unten, das Thema „Rentenvergleich“.

Ist das gerecht?

Erstaunlich ist für mich auch, warum gerade die Bürger so stark in der Altersvorsorge beschnitten werden, die immer fleißig in die Rentenkasse einbezahlen. Beamte haben eine starke Interessenvertretung und erhalten aus dem Grund noch immer 72 Prozent der letzten Bezüge. An der Altersvorsorge der Politiker wurde nicht gespart. Dabei wird die Altersvorsorge der Beamten und Politiker aus dem laufenden Haushalt, also aus den Steuergeldern finanziert. Es geht nicht um eine Neiddebatte, ganz sicher nicht. Als Bürger leben wir in einer Demokratie und können erwarten, gleiches Recht für alle. Entweder alle 72 Prozent oder eben alle nur 47 Prozent. Demografischer Wandel gilt wohl für alle oder doch nicht?

Gesundheitskosten

Manipuliert werden wir auch in anderen Bereichen, müssen da genau aufpassen. Wir dürfen nicht alles immer gleich als Wahrheit annehmen, sondern müssen die Dinge kritisch hinterfragen. So wird uns erzählt, dass die Gesundheitskosten explodieren, weil die Menschen immer älter werden und dadurch höhere Kosten verursachen. 

Gesundheit

Hört sich im ersten Moment plausibel an, ist es aber nicht. Natürlich werden die Menschen heute später krank und verursachen dann die gleichen Kosten wie Menschen, die zu früheren Zeiten früher krank wurden, weil deren Lebenserwartung nicht so hoch war. Eine solche Meinungsmache führt dann natürlich dazu, dass am Schluss die Menschen, die einst das Land mitaufgebaut haben, nicht einmal die Windeln, die sie im Alter benötigen, in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt bekommen!

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