Armut

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  • Beitrag zuletzt geändert am:8. Juli 2020
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Armut etabliert und verfestigt sich

Armut

Rund jeder sechste Bürger in Deutschland und Österreich lebt in Armut oder ist armutsgefährdet. Im ersten Moment eine Zahl. Wir dürfen nicht vergessen, hinter Zahlen stehen auch Menschen, die betroffen sind. Wenn Eltern bedürftig sind, betrifft das auch immer die Kinder. Die Dunkelziffer ist allerdings höher. Selbst Menschen, die der Mittelschicht angehören, können vom Geldmangel bedroht sein, durch hohe Mietbelastungen, hohe Gesundheitskosten oder Bildungskosten für die Kinder, nur um einige Beispiele zu nennen. Statistisch werden diese Menschen nicht erfasst.

Gründe

Arm und Hoffnungslos

Gerne beruhigen wir unser Gewissen, in dem wir uns sagen, das Menschen in Armut selbst daran schuld sind. Entweder schieben wir ihnen die Rolle des Faulenzers zu oder unterstellen pauschal, dass es am niedrigen Bildungsstand liegt. Ganz nach dem Motto, hättest etwas Gescheites gelernt, dann müsstest du nicht in Armut leben. Das mag für uns einfach sein, wird es den Menschen aber auch gerecht und wie groß ist das eigene Risiko, in Bedürftigkeit zu rutschen?

In oder am Rande der Geldnot leben auch sehr viele Menschen, die tagtäglich fleißig arbeiten gehen. Wir nennen das Erwerbsarmut. Hört sich harmlos an, ist es aber nicht. Niemand hat es verdient arm zu sein und schon gar nicht Menschen, die tagtäglich ihre Arbeit wie andere verrichten, nur mit dem Unterschied das sie dafür schlecht entlohnt werden. Zunehmend haben wir immer mehr arme Rentner, die ihr Leben lang fleißig gearbeitet haben und dafür mit einer Minirente abgespeist werden. In Armut leben auch Menschen, die durch Krankheit oder einen Unfall aus dem Berufsleben gerissen wurden. Alleinerziehende sind sehr gefährdet zu verarmen. Es gibt viele Gründe in die Bedürftigkeit abzurutschen und das kann fast jedem widerfahren. Dessen sollten wir uns bewusst sein.

Relativ arm

Geht es um Armut, wird in der Diskussion meist zwischen relativer und absoluter Armut unterschieden. Menschen, die absolut arm sind, müssen auch den Hungertod fürchten. Das betrifft in Deutschland und Österreich die Menschen nicht und daher spricht man hierzulande von relativer Armut. Mag eher harmlos klingen, ist es aber nicht und gefährdet die Gesundheit und das Leben. Untersuchungen zeigen, dass arme Menschen früher sterben. Arme Männer sterben 10,8 Jahre und arme Frauen 8,4 Jahre früher, wie finanziell bessergestellte Menschen.

Auswirkungen der Armut

Relativ arm zu sein, hat viele Auswirkungen für die Betroffenen. Gespart werden muss am Essen, nicht jeder kann ausreichend heizen. Unerwartete Ausgaben werden zur finanziellen Herausforderung und sind oft nicht lösbar. Eine Teilhabe am öffentlichen Leben ist nicht möglich oder nur im sehr begrenzten Umfang. Kinder haben nicht die gleiche Bildungschance. Der für bessergestellte selbstverständliche Urlaub einmal im Jahr, ist eher unerreichbar. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, das ändert aber nichts an der Situation armer Menschen. In einer Gesellschaft, die zum Teil sehr im Überfluss lebt, ist ein solch begrenztes Leben eine schwere Last und trifft viele, die einfach nichts dafür können. Das muss uns bewusst werden und niemand ist davor gefeit, in der Zukunft, in Ärmlichkeit leben zu müssen.

Armut in Zahlen

Armut in Zahlen

Laut Statistischem Bundesamt waren 2018 in Deutschland 18,7 % der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das betraf 15,3 Millionen Menschen. Übersetzt heißt das, 15,3 Millionen Einzelschicksale, die keine wirklich Lobby haben, sonst wäre es nicht so. In Österreich sieht das nicht besser aus. Hier waren im Jahr 2019 von Bedürftigkeit und sozialer Ausgrenzung fast 1,5 Millionen Menschen betroffen, was 16,9 % ausmacht (Armutskonferenz).

Armutsrisiko

Stehen wir mitten im Leben, können wir es uns kaum vorstellen, arm zu sein. Die vermeintlich sichere Existenz ist aber verletzlicher, wie sich es die meisten vorstellen können. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus sollten wir ein neues Bewusstsein entwickeln. Die Pandemie wird viele Existenzen vernichten und nicht jeder wird da mit einem blauen Auge davon kommen. Betrifft die Pandemie im großen Stil viele Existenzen, kann für den Einzelnen eine Krankheit, Unfall oder eine Scheidung die eigene Existenz auf den Kopf stellen. Wirtschaftlich ist die Welt auch ohne Virus im Wandel und was der Klimawandel bringen wird, wissen wir auch noch nicht. Es gibt sehr viele Gründe, auch in der Zukunft in die Armut abzurutschen, und verändern können wir das nur, wenn wir umdenken und uns ganz neu organisieren.

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